29 Mai 2006

Näkemiin!

Das ist finnisch und heißt "Auf Wiedersehen".

Und für mich nun der Tag gekommen, genau das zu sagen.
Morgen um diese Zeit werde ich wieder in München sein.
Gerade sitze ich am Fenster meines Appartements und sehe auf den noch hellen Himmel, die Sonne ist schon untergegangen. Ich werde sie vermissen, diese langen Tage, die Dämmerung, die jetzt bis Mitternacht dauert und die Vögel, die schon um drei zu singen anfangen.
Genauso werde ich den Hof vermissen, in den ich jetzt hinunterschaue, die Nachmittage, die ich dort in der Sonne verratscht habe. Und ich werde die Leute vermissen, die mir meinen Aufenthalt hier erst zu dem gemacht haben, was er war: Wunderschön!
Mein Appartement sieht jetzt genauso aus wie Anfang Januar, als ich hier eingezogen bin, die Wände sind kahl, meine Koffer gepackt. Und doch ist etwas anders: Fast sechs Monate Leben, Erfahrungen, Lachen und Gespräche hängen jetzt an diesen Wänden, sechs Monate, die ich nie vergessen werde.

Helsinki ist in dieser Zeit mein Zuhause gewesen und wird es immer ein wenig bleiben. Auf dem wunderbaren letzten Stadtrundgang mit Bernie gestern habe ich nochmal viele Eindrücke mitgenommen, die meine Zeit hier so geprägt haben. Der Senatsplatz, der weiße Dom, auf dessen Stufen man so schön Picknick machen kann, diese großartige Universität, der Blick auf Helsinki von Suomenlinna aus, der Blick aufs Meer, die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die mitten in die Stadt einfahren, der ewige Wind, die Ruhe der hügeligen Straßen von Kruununhaka, der großstädtische Mannerheimintie, das bunte Kiasma, der Bahnhofsplatz, der mein erster Eindruck von Helsinki war, die Temperaturanzeige dort, die mir an einem denkwürdigen Morgen -26 Grad gezeigt hat, das Baarikärpenen, in dem wir auf den ESN-Parties zur immergleichen Playlist getanzt und gefeiert haben, der Hafen, in den wir nach einer kurzen Nacht aus Stockholm eingelaufen sind...

Morgen muss ich mir noch ein Formular unterschreiben lassen, das bestätigt, dass ich vom 08. Januar bis zum 30. Mai in Helsinki studiert habe. Wie albern mir das erscheint. Als ob ein Formular je bestätigen könnte, dass ich hier war, dass ich hier gelebt und studiert habe.
Ich stelle mir vor, ich müsste meine Erinnerungen und Erlebnisse aufzählen, wiedergeben, was ich hier gelernt, wen ich getroffen, was ich gesehen und wie ich gefühlt habe, um die Unterschrift zu bekommen. Mein Formular müsste wohl unterschriftslos bleiben oder die Unterschreiberin sehr lange Zeit haben. Ich müsste allerlei Leute einladen, Laptops holen, auf denen hunderte von Fotos schlummern. Alte Eintrittskarten, Fährtickets, Ansichtskarten würden den Tisch der Unterschreiberin bedecken und wir würden erzählen und erzählen und erzählen.

Ich freue mich darauf, all diese Dinge zu erzählen, darauf, die Fotos und die Ansichtskarten herzuzeigen, unsere Spring-Term-Hymne irgendwo im Radio zu hören und dann grinsend zwei SMS zu schreiben. Ich freue mich darauf, meine Koffer auszupacken und alle diese kleinen Dingen zu finden, die mich an Helsinki erinnern. Ich freue mich auf München, auf zu Hause, auf meine Lieben dort.
Ich freue mich auch darauf, bald wieder hierher zurück zu kehren. Wenn ich Helsinki wiedersehe, dann komme ich mit dem Schiff hierher, denn wer einmal in den Hafen mitten in diese schöne Stadt eingefahren ist, weiß, dass das wirklich der einzige Weg ist, nach Helsinki zu reisen.

"Näkemiin" ist finnisch und heißt "Auf Wiedersehen" und das werde ich auf jeden Fall tun.

28 Mai 2006

Hellgrüne Ferien in Linnansaari

Nun habe ich schon so viel von Finnland gesehen und letzte Woche ist noch ein Stückchen mehr dazu gekommen.
Bernie und ich haben fünf wunderschöne Tage im Linnansaari Nationalpark im Osten Finnlands verbracht. Die hellgrünen Birken, die uns schon auf der Busfahrt von Helsinki nach Savonlinna und dann zu unserem Hostel in Oravi begleitet hatten, vermischten sich auf den Inseln des Nationalparks mit dunkelgrünem Wald und (meistens) blauem Himmel.

Linnansaari besteht aus vielen einsamen, bewaldeten Inseln, die im riesigen Haukivesi-See versteut liegen.
Der winzige Ort Oravi, der v.a. durch seinen Hafen, die Bootstankstelle und ein sehr gut ausgestattetes Lädchen besticht, liegt zwar ganz nah an der Grenze des Nationalparks, um auf eine der Inseln Linnansaaris zu kommen, muss man sich dennoch auf den Wasserweg begeben.

So haben auch wir uns mal per Kanu, mal per Wassertaxi auf den Weg gemacht. Die Überfahrt mit dem Kanu dauert etwa eineinhalb Stunden.
Zwischen Oravi und der Hauptinsel des Nationalparks liegt eine faszinierende Landschaft mit vielen versteuten, einsamen Inselchen, auf denen es besonders wichtig ist, das Kanu fachmännisch zu befestigen (mit Seemannsknoten, oder so ähnlich).

Auf der Hauptinsel des Nationalparks gibt es mehrere gut befestigte, wunderschöne Wanderwege, die wir während unserer Ferien auch ausgiebig erkundet haben. Einer davon führt zum Aussichtsfels Linnavuori Rock, von dem aus man über Wasser, Wind und weit versteute Inseln bis zum Horizont blicken kann. Wir waren begeistert und haben allerlei Pläne für zukünftige Urlaube geschmiedet.
Insgesamt hatten wir beide sehr finnische, sehr abenteuerliche und sehr entspannende Ferien. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Bei Wellen, die höher sind als das Kanu, in dem man sitzt, sollte man sich nicht aufs Wasser wagen, es sei denn eine gut geheizte Sauna wartet in Hostel.

21 Mai 2006

Fünf Monster für ein Hard Rock Hallelujah

Moika aus dem Land der Grand Prix Gewinner!
Heute Abend hat Finnland zum ersten Mal den Grand Prix d'Eurovision oder Eurovision Song Contest gewonnen und wir waren dank Hannes' TV-Koarten live dabei.
Eigentlich war in Athen alles wie gehabt: Das Moderatorenpaar überdreht und glitzernd, die Popsongs nichtssagend und mit Sängerinnen aufgemotzt, deren Talent nicht unbedingt in ihren Stimmen lag, la France seulement en français, zu viel Selbstbräuner überall, die Punktevergabe regional vorhersehbar, Ralph Siegel glücklos und Deutschland abgeschlagen.
Die ganze schöne, bonbonfarbene Grand Prix Welt wurde aber empfindlich gestört, als Lordi, der finnische Wettbewerbsbeitrag, die Bühne betrat. Die Herren Lordi hatten wenig bis gar keinen Selbstbräuner, dafür umso mehr Latex und allerlei anderes Zeugs im Gesicht und hätten mit ihrem Glam Rock Kiss und Alice Cooper stolz gemacht. Es hagelte "douxe points" aus allen Nationen und am Ende triumpierten die Finnen und ihr "Hard Rock Hallelujah".
Für die Deutschland gab es einen bescheidenen 15. Platz, aber drei Lichtblicke: Wir sind nicht Letzter (ist der Erfolg direkt proportional zur Anzahl der teilnehmenden DSDS-Veteranen?), wir sind besser als Ralph Siegel und Thomas Hermanns durfte ein Cowboy-Outfit anziehen und vom Pferd runter die deutschen Punkte vergeben.
Wir waren natürlich erasmusmäßig patriotisch, haben für Finnlnd gejubelt (aber trotzdem für Olli Dittrich angerufen) und machten Lordi mit unserer eigenen Pyro-Show Konkurrenz. Die Kurzfassung: Man nehme ein geschickt positioniertes Teelicht, ein IKEA-Salatsieb aus rotem Plastik und warte ein halbes Stündchen...

Besuch, die Vierte

Er ist da!
Am Mittwoch um 13.20 Uhr ist mein Freund Bernie nach einem Flug über Preußen in Tallinn gelandet. Gemeinsam sind wir von dort aus über die Ostsee gefahren. Helsinki hat uns mit Sonnenschein begrüßt, wie auch sonst?
Meine letzten beiden Wochen hier in Finnland werde ich gemeinsam mit meinem Liebsten verbringen.
Wie schön!

18 Mai 2006

Besuch, die Dritte

Was braucht man, um zwei Hauptstädte in drei Tagen zu erobern? Zwei Mädels mit viel Kondition!
Meine Mama war vom 12.-15. Mai bei mir zu Besuch und wir waren ohne Pause unterwegs. Am Freitag Abend haben wir uns zunächst einmal dem Kulturgenuss und Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" in der Helsinkier Oper gewidmet. Die Oper ist ein kleines, sehr modernes Opernhaus mit schönen Inszenierungen und wir drei Mädels (Nina hat meiner Mama und mir Gesellschaft geleistet) hatten einen schönen Abend.

Am nächsten Tag sind wir für unsere Verhältnisse sehr, sehr früh zu einer Stadtbesichtigung der Superlative aufgebrochen. Wir haben so ziemlich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten besichtigt, die Helsinki dem touristischen Blick zu bieten hat: Senatsplatz mit Dom, alte Unibibliothek, Uspenskikathedrale, Felsenkirche, Mannerheimintie, Esplanaden, Harvis Armanda (der schönste Po Helsinkis), Sibelius-Monument, 3T-Rundfahrt, Karl Fazer Kaakao und Suomenlinna. Das Wetter hat ausgezeichnet mitgespielt und ich habe einmal mehr meine Stadtführerqualitäten testen können.
Für mich war es ein Erlebnis, Suomenlinna nach einem verschneiten Besuch im Februar und einem recht matschigen im April nun bei Sonnenschein und Frühlingsblüte zu sehen. Meine Mama hatte einen ganz besonderen Auftritt: In der kleinen Sandstrandbucht auf Suomenlinna hat sie, dem Wind trotzend, todesmutig ihre Schuhe ausgezogen, die Hosen hochgekrempelt und ist in die kalte Ostsee gewatet. Und sie hatte sofort Publikum! Eine Gruppe Japaner (allerdings nicht von der bereits bekannten Spezies FKJ) konnte sich gar nicht mehr einkriegen vor Begeisterung und schaute aus sicherer Entfernung winkend und staunend zu uns herunter. Man beachte vor allem den Herren mit der Fernsehkamera!
Nach einem wohlverdienten Kalorienschock im Karl-Fazer Café ging es dann nach Hause, denn am nächsten Tag war die nächste Stadt an der Reihe: Tallinn.

Und weil wir keine großen Frühaufsteher sind, haben wir die schnelle Variante über die die Ostesee gewählt: Die Autoexpress-Fähre der Tallink-Line, ein schnittiges Schiff, das es in 100 Minuten von Helsinki nach Tallinn schafft und den großen Vorteil hat, dass man nicht um viertel nach sieben morgens am Hafen stehen muss, sondern erst um halb zehn. Nachdem wir die zwei Preissn hinter uns mit einem einzigen Kommentar zum Schweigen gebracht hatten, war die Überfahrt "very enjoyable".
Auch Tallinn war bei weniger widrigen Wetterbedinigungen als im April ein neues Erlebnis. Mit der Touri-Infrastruktur in vollem Gange wirkt die Stadt viel quirliger und lebhafter. Auch hier hat meine Mama die schwarzen Wolken, die zu Anfangs ein wenig bedrohlich wirkten, mit einem lockeren "Ach, das bleibt doch da drüben!" außer Gefecht gesetzt und wir hatten einen wundervollen sonnigen Tag. Wir haben von allen möglichen Aussichtspunkten Ein- und Ausblicke über Tallinn genossen, wobei das Highlight ganz eindeutig der Blick vom Turm der Olaikirche war. In 123 Metern Höhe kann man von Hafen über Old Town bis ins moderne Tallinn schauen, die kleinen Gässchen verfolgen und die beeindruckende orthodoxe Alexander Newski Kathedrale von Ferne bewundern. Aber ohne Schweiß kein Preis: 257 Stufen sind zu erklimmen, bevor man den Ausblick genießen kann. Wobei ich mich auch verzählt haben kann, als eine uns auf der schmalen Wendeltreppe entgegenkommende Touristin ihren Schuh verlor und ein paar nette Mitstreiter ihn ihr von einigen Metern tiefer ritterlich wieder hinaufreichen mussten.

Bevor meine Mama am Montag wieder nach München geflogen ist, haben wir noch zwei weitere Helsinkier Highlights genossen: Eine Wanderung durch das Univiertel und einen gigantischen Salatteller in Café Esplanadi. Auf diesem Wege ein Tipp an alle Helsinki-Reisenden: Das Kiasma hat montags zu.

13 Mai 2006

Familienbande

Ich habe wieder einmal Besuch. Diesmal ist meine Mama aus München nach Helsinki gekommen. Wir haben, nach einer sehr schönen Oper gestern, heute die Stadt im Sturm (und fast im Laufschritt) erobert. Morgen geht es nach Tallinn. Zu unseren gesammelten Abenteuern: Später mehr.

07 Mai 2006

Seurasaari: Grillschwaden, Indianer und fast Mitternachtssonne

Wie schön!
Heute habe ich das erste Mal, seit ich hier in Finnland bin, die Temperatur die Zwanzig-Grad-Marke knacken sehen. Und zwar Plus, versteht sich! Dazu gab es strahlend blauen Himmel, beflipfloppte Touristen (und Finnen) in der Stadt und jede Menge blühende Birken, etc.

Auf Seurasaari, einer von Helsinkis wunderschönen Inseln gab es außerdem etwas ganz besonderes: Ein Grillfest mit vielen Erasmussen. Natürlich waren auch das bekannte Trio und ein paar weitere Vuolus mit von der Partie. Seurasaari ist wirklich wunderschön mit viel Natur und einem eindruckvollen Freiluftmuseum.
Zuerst einmal haben wir uns ausgiebig die Sonne auf die winterblasse Haut scheinen lassen und haben unsere Trägertshirts ausgeführt, wobei es sich in Hannes Fall ein farbenfrohes Poloshirt handelte.
Die Ostsee fiel bei unserem Badetaulichkeitstest zwar noch durch, da sie, gelinde gesagt, noch eiskalt ist. Wir hatten auch nicht den Schneid es zwei mutigen Finninen nachzutun, die in Unterwäsche das Gegeteil bewiesen haben und eine Runde schwimmen waren, wobei zu bemerken ist, dass dieses Volk auch bei -20 Grad Eisschwimmen geht, also was solls.
Am Abend ging es dann weiter zum Grillen.

Hier hat sich mal wieder ein Klischee bestätigt: Grillen ist Männersache. Frauen scheint für das Fachsimpeln über die richtige Menge Grillkohle, die ideale Würschtlplatzierung und die optimale Wendefrequenz einfach der Sinn zu fehlen.
Die Steigerung von "Frauen" ist dabei "Vegetarierinnen". Diese Grünzeugknabberer mit ihren Cocktailtomaten und Folienkartoffeln sind am rauchschwadenumwehten Hort der Männlichkeit einfach fehl am Platz. Hannes hat sich als ausgezeichneter Chefgriller erwiesen und konnte zum Ende des Abends auch mit entsprechender, sehr verdienter Kriegsbemalung aufwarten. Wir haben unsere Grillwürschtl auf jeden Fall sehr genossen, auch wenn sie bisweilen ein bissl komische Namen haben.
Die gute Stimmung wurde angeheizt von einem Flaschl Beaujolais, etlichen Dosen Lapin Kulta und einer Cola, die gar nicht so unschuldig war, wie sie aussah (A propos Beaujolais: Es gibt einen Grund zum Anstoßen: Happy Birthday Mama!). Ein wenig Mitternachtssonne ließ sich auch schon erahnen, die Abenddämmerung dauerte bis halb elf und tauchte Seurasaari in ein romantisches Licht.

Als ich vor einer halben Stunde grill-, wein- und sonnenseelig zu meinem Haus eingebogen bin, war in unserem Hof noch Musik zu hören, die sich jetzt mit den Geräuschen der lauen Nacht vermischt.
Es wird doch nicht schon Sommer in Helsinki?
Für mich war es das heute auf jeden Fall!

04 Mai 2006

Kevät oder Der Frühling ist da

In Helsinki ist Frühling!
Das bedeutet Temperaturen um die 15 Grad, grünes Gras, Blumen Vogelgezwitscher und vor allem: Sonne, Sonne, Sonne!
Im Moment geht die Sonne um 5:11 Uhr auf und um 21:26 Uhr erst wieder unter. Das bedeutet Spaziergänge, in der Sonne liegen (Und lesen, in meinem Fall. "The Beauty Myth" von Naomi Wolf, sehr, sehr empfehlenswert, Mädels!) und Helsinki in einem neuen und in mehr Licht entdecken.

Und was machen die Deutschen, bzw. die Alpen-Deutschen? Sie grillen.
Sobald der erste Sonnenstrahl die Nasen kitzelt, gesellen sich Grillschwaden sofort dazu. Im Hof von Vuolukiventie 1B steht ein großer runder Grill.
Hannes, Nina und ich haben das Grillen in seiner klassischsten deutschen Vorstadttradition praktiziert: Ein Tischgrill auf dem Balkon, mit Blick auf das Suburbia Malmis.
Schrecklich schön.

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