30 Juli 2005

Eine ernste Sache

Folter ist eine Sache, die zivilisierte Nationen bewusst abgeschafft haben. Ganz bewusst. Wie sieht das aber bei den Kandidaten der kommenden Wahl aus: Jörg Schönbohm hat sich schon zweitausenddrei als Befürworter von Folter (im Falle von Terrorismusverdacht) geoutet. Jetzt will er Verteidigungsminister werden. Doch auch auf der anderen Seite des Spektrums sitzt einer, der findet Folter eine gute Sache - Oskar Lafontaine.

Wieso nicht böse Menschen foltern?

1.) Weil es eine Schande für den Staat ist, der das Gewaltmonopol über die Bürger ausübt, wenn er dieses Monopol ausnützt, um Menschen zu quälen. Egal aus welcher Motivation heraus.

2.) Weil man nie wissen kann, wer wirklich böse ist. Aber eine Folter lässt sich nicht so einfach rückgängig machen, gerade was die psychischen Folgen betrifft. Abgesehen davon ist sowieso nachgewiesen, dass Folter ein untaugliches Mittel zur Wahrheitsfindung.

3.) Weil ja irgendwer die Folter durchführen muss. Irgendjemand muss damit fertig werden, dass er beruflich Menschen quält. Es ist aber unmenschlich andere Menschen zu quälen - ergo ist die Folter sowohl beim Täter als auch beim Opfer eine Verletzung der Menschenwürde.

Achja: Außerdem ist Folter durch internationales Recht verboten. Da bleibt nur noch die gute rot-grüne Mitte zwischen den Folterparteien zu wählen.

28 Juli 2005

Fernsehansprache

Bush: Seid ein braves Volk... wählt die CDU/CSUNachdem Angela Merkel sich neuerdings weigert an der Seite von ihrem alten Freund und Kupferstecher George Bush aufzutreten hat dieser sich entschlossen selbstständig in den deutschen Wahlkampf einzugreifen. In einer ergreifenden Fernsehsanprache wandte sich Herr Bush an das deutsche Volk um - ähnlich seinen Vorgängern John Kennedy und Ronald Reagan - einen historischen Satz unter die Leute zu bringen.

Zwar ließ er durchblicken - in einem Gespräch mit seinem noch älteren Freund und Kupferstecherer W. Schäuble - dass er gar keine Bundeswehrsoldaten für den Irak brauchen wolle. Er riet der Union jedoch schonmal die Wehrpflicht nicht abzuschaffen und sich reichlich ABC-Bunker zu bauen, denn schließlich würden Iran und Nordkorea bald von Deutschland angegriffen werden und die haben tatsächlich Massenvernichtungswaffen.

26 Juli 2005

Kontext

Anzeige: Gabelstapler zu verkaufen.Nebenstehende Anzeige erschien auf der Website des Münchner Merkurs unter einer eigenartigen Rubrik. Es ist natürlich schon verständlich, dass man traurig ist, wenn der geliebte Gabelstapler keinen TÜV mehr bekommt, aber ob die Traueranzeigen deswegen wirklich die richtige Umgebung für die Käuferfindung sind ist fraglich.

So ist es auch vollkommen OK, wenn Deine Eltern Dir den schönen alten römischen Namen Cajus als Vornamen schenken. Ebenso zeugt es mehr von humanistischer Bildung denn von Ignoranz, wenn sie dem den zweiten Vornamen Julius hinzufügen. Hybris allerdings ist es sicherlich, wenn Deine Eltern Caesar mit Nachnamen heißen. Allerdings ist Bundestagsabgeordneter sicherlich nicht dann der richtige Beruf für den Springinsfeld, oder?

Dieses Bild eines kleinen Jungen ist ganz hübsch anzusehen. Verspielt hält sich der abenteuerhungrige Springinsfeld aus ein Fernrohr vors Auge und wirbt damit für das lustige FWR, die deutsche NRA sozusagen. Da kann man auch schnell nachlesen, dass privater Waffenbesitz eigentlich nur der Sicherheit dient. Sicher hilft er auch gegen Terrorismus. Das wäre eine feine Sache, dann wäre diese Website nämlich obsolet.

20 Juli 2005

Innere Emigration

Da sitzt se nun, die älteste Partei Deutschlands genau zwischen SED und Union und überlegt sich was tun. Man könnte dank David Hopp Polit-Flippern. Sie könnte auch einen eigenen Sonderwahlkampfost starten. Sie könnte sich überlegen, was man nach der Verantwortung machen kann ... und vor dem Abitur.

Unterdessen kann man sich auch mal ganz unpolitisch mit den TOP7-Listen von Eicke Ahlers unterhalten - es lohnt sich das zu lesezeichnen. Oder einfach mal Herrn Roberts mit Herrn Roberts verwechseln.

Die Oppositionsbank wird ganz schön hart werden, vor allem wenn man selbst drauf sitzen muss. Vielleicht lohnt es sich halt doch zu kämpfen.

13 Juli 2005

Panorama, Buntes und Vermischtes

Ausriss aus dem SpiegelDie Reste-Kategorie in Zeitungen und dem restlichen Medienpack, verspricht immer mal wieder einen Lacher und doch werden hier eben auch jene Meldungen abgeladen, die seriöse Jorunalisten auf dem Boulevard aufgelesen haben. Diese Meldungen können auch ganz gerne mal etwas erschreckendes haben wie der Spiegel-Online Bericht über einen Streit im öffentlichen Nahverkehr. Interessant ist dabei vor allem auch die Bewertung gegen Ende des Artikels, dass es in Hamburg immer wieder zu solchen Vorfällen komme, wie zuletzt im Mai 2004, dies sei auch der erste Fall von solchen Umtrieben gewesen, wie der Nebenstehende Kasten verkündet.

Unterdessen hat mein alter Genosse Jakob Maria Mierscheid klargestellt, wer am 18. September die Wahl gewinnen wird. Dies begründet der Bundestagsabgeordnete und Schneidermeister ade nicht nur mit seinem altbekannten Mierscheid-Gesetz, sondern kann weitere stichhaltige Gründe vorlegen.

Ferner möchte ich auf einen Film aufmerksam machen, der mir jüngst vor die Augen gelaufen ist. Ein Lehrfilm der Spitzenklasse zum Thema Creative-Commons-Liznenzen. Wer nicht weiß, was das ist, sollte sich den Film anschauen und lernen. Wer das alles schon kennt, hat wenigstens was zu lachen.

12 Juli 2005

Funkstille

... dabei ist die Welt doch voller Ereignisse augenblicklich.

Der Spiegel veröffentlicht beispielsweise einen unpassenden Artikel zur Olympia-Vergabe an London. Allerdings muss man den Kollegen zu gute halten, dass sie das da noch nicht wussten.

Bayern will die Grundschulen außerhalb Münchens schließen. Begründung: Die Kinder müssen zur Einschulung deutsch sprechen können. Das wiederum ist außerhalb der preußischen Metropole Münga illusorisch.

Manch ein Genosse greift in den NS-Vergleiche-Topf und macht sich dabei gehörig die Finger schmutzig. Auch wenn man den CDU-Slogan "Vorfahrt für Arbeit" mit Autobahnen in Verbindung bringen kann, RAD und Mefo-Wechsel. Den Slogan allerdings mit dem Holocaust in Verbindung zu bringen ist unanständig und dumm.

Derselbe allerdings diktiert auch folgendes in die Mikrophone: Merkel "verwechselt Gas geben mit der Bremse", weil sie in Zeiten einer schwachen Binnenkonjuktur die Mehrwertsteuer erhöhen will. Da möchte ich anfügen: "... und sie lässt das Steuer los und schnallt die Kinder hinten los."

10 Juli 2005

Vier Fragen ...

... und vier Antworten von Rio Reiser.

Wann, wenn nicht jetzt?

Wo, wenn nicht hier?

Wie, wenn ohne Liebe?

Wer, wenn nicht wir?

Kauder und Merkel wollen eine Spende

02 Juli 2005

Glaskugel

Was wird passieren, wenn diesen Herbst tatsächlich eine Bundeskanzlerin gewählt wird?

Es genügt nicht ernst zu gucken um staatstragend zu wirkenLangsam schält sich das Wahlprogramm der Union heraus: familienfeindlich, reichenfreundlich. Nungut: bei reichen Familien läuft es dann Null-auf-Null raus. Für eine Erhöhung des Kindergeldes sind die Kassen zu leer, aber für den gesenkten Spitzensteuersatz kann man immerhin die Mehrwertsteuer erhöhen. Wenn dann auch noch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz fällt, dann wirds für Familien doppelt teuer - wenn sie Essen oder Bücher kaufen wollen. Das letzte hingegen ist natürlich nur konsequent, da Studiengebühren sowieso in allen Unions-Bundesländern eingeführt werden sollen. Langsam wird klar, welche Gussform die Union bei ihrer "Politik aus einem Guss" verwendet.

01 Juli 2005

Wer entscheidet?

Wenn man mal wissen will, wer in den kommenden drei Wochen über die Neuwahlen entscheidet, der kann einfach mal die Webseiten von Angela Merkel und Horst Köhler vergleichen.



Die drei Argumente von Angela Merkel:
Vorfahrt für Arbeitsplätze. Eine ehrliche Politik. Wo die Union regiert, geht es den Leuten besser. Mal schauen, wann der Bundespräsident auf den letzten Zug mit aufspringt, oder wäre das ganze dann allzu offensichtlich?

Vorfahrt für Arbeitsplätze. Wer hat das Nachsehen? Kündungsschutz für Familienmütter, Menschenwürde und Frieden? Eine ehrliche Politik. Wann kommt der Parteiausschluss für Helmut Kohl und Roland Koch? Wann liegen Konzepte auf dem Tisch? Wer bezahlt die Renditen für die Bosse der Banken? Wo die Union regiert, geht es den Leuten besser. Wer sind die Leute? Studenten, Rentner, Sozialhilfeempfänger oder Aktienbesitzer? Was heißt besser gehen? Reicher werden, ärmer werden oder dümmer werden? Oder wählen halt reichere Leute eher die Union?