30 Mai 2005

Politischer Stil

Immer wieder ärgert man sich darüber, dass Personal- und Sachdiskussionen bei Rot-Grün in aller Öffentlichkeit geführt wurden. Das manch ein Vorschlag zuerst im Spiegel und dann im Vorwärts auftauchte. Da wurde ein Rudolf Sharping erst nach langem hin und her rausgeschmissen. Auch ein Reinhard Klimmt wurde lange gehalten.

Besser ist es da bei der Union, da werden die Schlammschlachten noch im Hintergrund geführt. Raus kommen Leute wie Roland Koch oder Günther Oettinger, die ohne Rücksicht auf Wahrheit, Scham oder Anstand den politischen Gegner diskreditieren, sich selbst durchlavieren und hinterher einen Eid schwören, ohne zu blinzeln, mit Gottes Hilfe.

Doch was solche Eide betrifft bleibt der Altkanzler sicher unübertroffen, der sein eigenes Ehrenwort über den Amtseid stellt. Was hat nochmal dieser Junge Wilde gesagt, der der Union das C geschenkt hat? "Eure Rede sei Ja - Ja. Nein - Nein. Was darüber ist ist vom Übel."

29 Mai 2005

Zeitreise

Nach der wirklichen geistig-moralischen Wende 1998 kann sie nun Kanzlerin werden: Herzlichen Glückwunsch, Angela!

Zeit sich zu überlegen, wie Deutschland heute aussehen würde, wenn 1998 Angela Merkel die Macht von Kohl übernommen hätte und nicht Gerhard Schröder.

... und das Schlimmste ist: spätestens jetzt hätte Roland Koch die Macht in der CDU und der Bundesregierung übernommen und wäre Bundeskanzler.

27 Mai 2005

Die Revolution frisst ihre Kinder

Ein Artikel in der englischsprachigen Ausgabe von Spiegel-Online hat mich auf das Phänomen aufmerksam gemacht: Erst nach sieben Jahren rot-grün ist es möglich, dass ein offen schwuler Politiker für den Vizekanzler-Posten antreten kann. Sicherlich war es auch Klaus Wowereit, der diesen Weg bereitet hat.

... übrigens: Wenn tatsächlich Guido Westerwelles Partei mit an die Regierung gerät, kann man kaum hoffen, dass sie sich mit ihren liberalen Grundsätzen gegen die Union durchsetzen kann. Dann müssen Homosexuelle eher fürchten wieder diskriminiert zu werden. Genau wie andere Minderheiten auch.

Es lohnt sich für ein rot-grünes Deutschland einzutreten.

Bernie wird fast Förster

In eigener Sache: Heute früh hat mich der Lehrstuhl für Forstpolitik angerufen und gesagt: "Ja, Herr Goodwin, wir haben da eine gute Nachricht für Sie!" Diese gute Nachricht hieß: "Wir stellen Sie ein, auf vier Jahre befristet, als Projektmitarbeiter."

Da bin ich in meiner Wohnung auf- und abgebhüpft, habe ein wenig gejubelt und habe mich sofort als Förster verkleidet und nebenstehendes geschossen. In meiner neuen Arbeit werde ich zwar hauptsächlich die Wirkung forstwissenschaftlicher Erkenntnisse in Medien, Politik und Gesellschaft erforschen, allerdings darf ich sicherlich auch mal mit in den Wald gehen und mir den Untersuchungsgegenstand meiner neuen Wissenschaft etwas genauer ansehen.

Gregor hat schon bemerkt, dass, sollte ich dort promovieren, gäbe es sicherlich die Möglichkeit den Doktor in der Sache des Waldes zu machen, oder wie er sich ausdrückte, den Doktor in wäldlichen Angelegenheiten. Eins steht fest. Nun wird aus mir doch noch ein Naturwissenschaftler.

26 Mai 2005

Freiheit statt Sozialismus

Einsteins Essay fragte schon 1949 warum Sozialismus das bessere System ist. Seine Antwort lautet (zusammegefasst): Deshalb. Nun melden sich zur kommenden Wahl zwei große Parteienblöcke, die beide dasselbe wollen (Friede, Freiheit, Eierkuchen für die Reichen), während die Alternativen-Anbieter auf der linken Seite es nicht schaffen sich zusammenzureißen und die große Im-Westen-Oskar-im-Osten-Gregor-Koalition zu bilden.

Ich dagegen bleibe dabei: Das Beste ist mitzustimmen und dann über Volksentscheide die Politik nicht mit den vielen Entscheidungen alleine zu lassen. Bei Mehr Demokratie e.V. bin ich inzwischen eingetreten: Denn Versprochen ist versprochen.

Noch ein Tipp zur Artikulation der eigenen Meinung aus Berlin: laut denken!

23 Mai 2005

Volksherrschaft

So, nun ruft er den Souverän. Ob das mal nicht Geister sind, die ihm an den Fersen haften bleiben, ihn zu Fall bringen? Dann haben wir wohl eine Bundeskanzlerin. Kann man nur hoffen, das Kohls Mädchen keine Eiserne Lady wird. Da fällt für viele die Wahl schwer: Soll man eine CDU wählen, die eine Politik betreibt, wie sie Schröder auch betrieben hat, nur mit noch mehr Bonbons für Reiche und noch weniger Solidarität für Arme, oder soll man Schröder wählen, der seine Politik fortführen will, aber dabei wenigstens ein finsteres Gesicht macht und sagt, er findet den Kapitalismus auch irgendwie Scheiße?

Was ist mit den vielen anderen wichtigen Politikfeldern, zum Beispiel:
  • Gesundheitspolitik
  • Europäische Einigung
  • Steuerschlupflöcher
  • Menschenrechte
Die werden in einem Schröder-oder-Merkel-Wahlkampf unter den Tisch fallen (und dann unter den Teppich gekehrt werden). Man wird das eine oder andere Lager wählen und je einige Kröten schlucken. Nach der Wahl kann man sich wieder über "die da oben" aufregen, die sowieso machen was sie wollen...

Bleibt die Frage nach der Konsequenz für das eigene Handeln. Es ist Blödsinn sich der Wahl zu entziehen. Es ist auch Unsinn Radikale zu wählen. Ungültigwählen ist eine Möglichkeit seinen Protest gegen die zur Verfügung stehende Auswahl auszudrücken. Die sicherste Möglichkeit seinen Einfluss geltend zu machen ist politisches Engagement. Dafür ist es nötig sich zu informieren. Die Suche nach einem Betätigungsfeld ist für viele schwierig, weil sich wenige an eine Partei binden mögen.

Deswegen hier mein Alternativprogramm:
Im Wahlkampf haben wir Bürger etwas mehr Macht als sonst. Nutzen wir sie. Gerade CDU und CSU haben schon 2002 gezeigt, dass sie im Wahlkampf bereit sind über den eigenen Schatten zu springen, als sie die Aufnahme des "Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen" als Staatsziel ins Grundgesetz zustimmten. Schreiben wir an unsere Abgeordneten.

Ich habe Gerhard Schröder gewählt. Jetzt möchte ich ihn abwählen. Ich kann aber nur dann Angela Merkel wählen, wenn ich mir auch sicher sein kann, in grundsätzlichen Entscheidungen mitreden zu können, deswegen möchte ich den Volksentscheid auf Bundesebene.

Die anderen Parteien sind bisher für einen Volksentscheid auf Bundesebene. Die kann man ebenso beim Wort nehmen. Der Wahlkampf hat begonnen. Es wird Zeit zu mobilisieren.

20 Mai 2005

Dichtung

Da fährt meine Maus über die gute alte Homepage des Herrn Bressel und findet unter einem unscheinbaren Satz einen ganzen Haufen neuer Gedichte. Hat er sie also kommentarlos einfach ins Netz gestellt, der alte Jahrbuchschreiber.
  • Konditioniert er sich mit einem vorgelegten Takt zu regelmäßiger Werkerei?
  • Wo bleibt dann die Überraschung, wenn er wiedermal was druckt?
  • Sinkt die Qualität unter solcher häufigen Produktion?
Man darf gespannt sein.

18 Mai 2005

Nazis, dumm wie Brot

Eine sehr lesenswerte Story hier bei indymedia.

Die Vorgeschichte (mit Bernd dem Brot) ist übrigens auch lesenswert.

13 Mai 2005

Der Begood.de-Sehtest


Wer nebenstehend einen Sozialdemokraten zu erkennen glaubt ist vermutlich ein Rot-Grün-Verwechsler.

Das ist keine Schande und nicht ansteckend.

Informieren Sie sich vor ihrer nächsten Wahl bei einem Wahlhelfer ihres Vertrauens oder ihrem zuständigen Parteisekretariat (also known as: Bürgerbüro). Eine Möglichkeit der Behandlung ist der regelmäßige Konsum der bürgerlichen Presse oder von Nachrichtensendungen sowie der Beitritt zu einer Partei.

12 Mai 2005

Google-Demo

Es geht bei einer Google-Demo darum, Meinungen in den Suchergebnissen von Google zu hinterlegen: Ziel ist es bei einem bestimmten Suchbegriff (z.B. "Anti Bildungsminister") eine bestimmte Website (http://www.mwk-bw.de/Ministerium/Minister.html) auf Platz 1 der Suchergebnisse zu bekommen. Dazu verlinkt man einfach von möglichst vielen anderen Seiten im Netz aus auf die erwünschte URL. Dabei muss der Suchbegriff im Linktext vorkommen:

DER Anti Bildungsminister

Es sind aber auch unverfängliche Linktexte möglich:

Bildungsminister anti gebührenfreihes Studium

Der Anti Bildungsminister an der FH Furtwangen 2004 von wikipedia.de Sehr gut können auch Links sein, die sich hinter Bildern verstecken, die im alt-Parameter (der Bildbeschreibung) den Suchbegriff erwähnen. Dabei kann es auch Hilfreich sein ebenso den title-Parameter einzubeziehen und die Bilddatei entsprechend zu benennen: Vielleicht schafft man es so auch auf der Google-Bildersuche ganz nach oben...

Das wichtigste ist besonders viele Links zu generieren: Dazu ist es hilfreich am besten von allen Seiten eines Auftritts auf die Zielseite zu verlinken. Am besten man fügt mit PHP oder Server Side Includes ein entsprechendes kurzes Code-Stückchen auf jede Seite ein. Schon wird der Link auf jeder Seite angezeigt. Dazu kann man beispielsweise auch einen dursichtigen Link benutzen, wie ich Der Anti Bildungsminister ist ziemlich durchsichtig hier. Es ist allerdings nicht sinnvoll von einer einzelnen HTML-Seite mehrere Links zu setzen, insofern ist diese Seite jetzt ein schlechtes Beispiel.

Hier die Quelltexte.

UPDATE:

Das hat leider alles so nicht geklappt. Zwischenzeitlich war diese Seite selbst auf Platz 1 der Suchergebnisse (was ja eigentlich nicht Sinn der Sache war), doch auch das ist inzwischen vorbei...

09 Mai 2005

Federalunited.com

Diese kleine Spielwiese hat Gregor ins Leben gerufen und ich habe es programmiert in ein paar schlaflosen Nächten. Jetzt tummeln sich dort einige wundersame Menschen und schmieden Pläne mit Linzer Torte und Erich Mühsam.

Vorbeischaun lohnt sich sicherlich, wenn man zum Beispiel wissen will, wie man in Granada Harald Schmidt hören kann, oder wie man in Wien einen Polterabend überlebt. Das ganze dann live von Kassette per skype-stream mit Musik (und Musikpausen) untermalt. Wir werden sehen, wie sich das noch entwickelt und wann wir alle wohl ins Bett gehen...

08 Mai 2005

8. Mai 1945

Höchst erfreut und erleichtert beeilen wir uns mitzuteilen, dass unsere Geißel, das dritte Reich am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation, nach 12jähriger Krankheit, verreckt ist.

Das deutsche Volk
Europa
Einigkeit und Recht und Freiheit

sowie die neugeborene
Schlusstrichdebatte

Die Trauerfeier findet nicht statt, weil wir froh sind, dass der Krieg vorbei ist und wir erst noch ein Wirtschaftswunder machen müssen, bevor wir anfangen können darüber nachzudenken, was wir zu diesem Verbrechen beigetragen haben.

Statt Blumenspenden hätten wir gerne eine Entschädigung für die Opfer der Nazidiktatur.

04 Mai 2005

Sie haben Post!

Juchuh! Ich habe ein WM-Ticket bekommen. Ich habe zwar keins bestellt, die Empfänger - E - Mail - Adresse ist nicht meine und die Mail liegt in meinem Spam-Ordner, aber ich habe sie trotzdem gefunden. Schnell: Ich öffne den Anhang, da kann ja kein Virus drin sein, sonst würde da nicht stehen am Ende: Virengeprüft.

120 Jahre alt werden...



Denn Wissenschaftler bestätigen: Das medizinisch mögliche Alter des Menschen hängt von einer regelmäßigen und ausreichenden Vitaminzufuhr ab. Wer will schon Skorbut? Deswegen lese ich mit großem Interesse die Gesundheits-Information mit der ASLAN-Garantie für Frauen (F) und Männer (M). Das Originalprodukt (geprüfte Qualität) hat mich schon fast überzeugt und ich bin schon dabei einen Prof. - Dr. - Dr. - Ana - Aslan - Fanclub aufzumachen, da fällt mein Blick auf die beifgefügte Liste von Nutzern dieses Medikaments. Neben den gezeigten auch Sir Winston Churchill, Salvador Dali und Somerset Maugham. Ich finde persönlich Testimonials eh doof. Ich glaube nur, dass sie an dieser Stelle extrem unpassend sind. Denn - es sei denn der alte Konrad sitzt irgendwo im Kyffhäuser und hat die Wiedervereinigung verschlafen - die sind alle tot. Tot und gestorben. Keiner von denen ist 120 Jahre alt geworden.

Ich weiß: John, Marlene, Mao, Konni, Charlie, Pablo, Charles, Winston, Salvador und Somerset aus der Schmetterlingsgruppe werden sich jetzt kaputtlachen.

01 Mai 2005

Nun mal Butter bei de Fische

(... oder wie das heißt ...)

Da steht nun die Weltkugel lässig an einer Pixelwand gelehnt und zitiert Shakespeare. Fragt die berechtigte Frage, wie es nun um ihre Existenz bestellt ist. Also antworte ich mal höflich wie ich bin und sage: "Es gibt da so zwei verschiedene Ansätze ..."

Einerseits glauben manche, dass es die Wahrheit nicht richtig gibt. Sie sagen, alles was wir wahrnehmen und für Wahrheit halten ist eine soziale Konstruktion. Das hat ein den großen Vorteil, dass keiner sagen kann: "Ich habe die Wahrheit gepachtet und jeder der behauptet ich habe unrecht hat selbst unrecht!" So können bei dieser Weltanschauung Dogmen nicht so leicht entstehen, die Verhindern neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das bedeutet auch nicht, dass man glaubt man könne sich in der Welt benehmen wie man wolle, nur weil sie nicht existiert. Vielmehr sollte man ruhig davon ausgehen, die Welt ist so wie sie scheint, sonst steht man nämlich plötzlich im Röckchen an der Bushaltestelle. Das wäre den Damen und Herren Konstruktivisten jedoch peinlich genug, dass sie ihr Verhalten entsprechend einstellen.

Auf der anderen Seite stehen Realisten (manche von ihnen sind sicher auch Optimisten). Die meinen, dass die Wahrheit tatsächlich existiert. Manche glauben sogar, sie könnten sie erkennen. Dadurch haben sie den Nachteil, dass sie immer wieder erkennen müssen, dass sie sich da wohl jetzt getäuscht haben. Das ist schmerzlich. Gefährlich ist es auch, weil mancher eben lieber drauf besteht recht zu haben als anzuerkennen, das die Wahrheit eine andere ist. Allerdings sind nicht alle Realisten so überheblich zu glauben, sie seien im Besitz der Wahrheit. Sie glauben einfach an deren Existenz. Dafür bekommen sie einen Boden, auf dem sie gehen können oder eine Decke nach der sie sich strecken können. Das ist ihr Vorteil.

Die Frage ist nur, ob es gefährlicher ist etwas Unwahres für wahr zu halten, als etwas Wahres für unwahr.